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Noa Page
Maturaarbeit
Kantonsschule Küsnacht
Klasse 6d 

Über ihre frühe Kindheit in der Schweiz hat mir meine Grossmutter wenig erzählt. Dabei war ihre Geschichte alles andere als langweilig.  â€‹Mit knapp drei Jahren floh sie mit ihrer Familie aus Deutschland in die Schweiz, nach der Bombardierung Ulms im Dezember 1944. Sie verbrachten zwei Jahre in verschiedenen Flüchtlingslagern. Dann wurden sie und ihre Schwester Edith ihrer leiblichen Mutter weggenommen und bei Pflegefamilien platziert. Hierbei wurden auch die beiden Schwestern voneinander getrennt.  

 

​Meine Grossmutter, Brigitte Engelhardt, war das jüngere Geschwisterkind und kam so mit fünf Jahren, zur Familie Näf. Die wohlhabende Arztfamilie wohnte in Zürich und nahm Brigitte herzlich bei sich auf. Dort verbrachte meine Grossmutter drei schöne und erfüllte Jahre ihres Lebens. In dieser Familie fühlte sie sich stets sehr wohl, geliebt und geborgen. Vor allem die Mutter der Familie war künstlerisch veranlagt und durch ihre Verbindung zum Schauspielhaus Zürich ermöglichte sie Brigitte den Einstieg ins Theater und die Schauspielerei. Diese Leidenschaft teilen meine Grossmutter und ich.  â€‹

 

Eines Tages wurde sie von ihrer leiblichen Mutter direkt vom Schulhof abgeholt, da diese eine Arbeitsstelle in einer Fabrik bei Oerlikon-Bührle in Zürich gefunden hatte. Meine Grossmutter hatte keine Möglichkeit, sich von ihrer Pflegefamilie zu verabschieden, und hat sie danach auch nie wieder gesehen. Dies hat sie sehr geprägt.  

 

Mir war es wichtig, den Fokus auf die schönen Momente mit ihrer Pflegefamilie zu legen und darauf, wie die Menschen in ihrem Umfeld meine Grossmutter wahrgenommen haben.  â€‹Bevor wir nun zum Beginn dieser Geschichten kommen, ist es mir wichtig, etwas anzumerken: Im Zentrum steht für mich diese schöne Zeit meiner Grossmutter in der Familie Näf und deren Leidenschaft für Kunst und Schauspielerei und Wärme darzustellen.  â€‹Dies ist keine Biografie. Die Vignetten basieren zwar auf einer wahren Geschichte und handeln auch von Menschen, die wirklich gelebt haben, sind jedoch unvollständig in Details, da die Informationen beschränkt sind. Die Kurzgeschichten beinhalten fiktionale Aspekte, die ich erfunden habe, um meiner Rolle als Geschichtenerzählerin gerecht zu werden und die Lücken zu füllen.

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